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Filmproduktionsfirma gründen

Filmproduktionsfirma gründen - Rechtliche Empfehlungen im Überblick 2017

Kurz zum Autor: Als Diplom-Jurist studierte ich (ROMAN RÖGNER) von 2010 bis 2015 Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig, welche ich mit dem 1. Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen habe. Mein Schwerpunkt lag im Unternehmensrecht. Seit 2012 arbeite ich nun schon als professioneller Filmemacher und habe alle relevanten Unternehmensformen durchlaufen. Vom Einzelunternehmer, über die GbR, bis zur heutigen GmbH. Ich spreche daher nicht nur aus der Theorie eines Juristen, sondern auch aus der Praxis eines Filmemachers.

Wer davon träumt, eine eigene Filmproduktion zu gründen, steht gleich zu Beginn vor einer wichtigen Frage: Wie geht das überhaupt? Neben all den gewerblichen und steuerrechtlichen Voraussetzungen, die mit mehreren Gängen zu öffentlichen Ämtern zu tun haben, möchte ich vor allem auf die Frage eingehen, welche Unternehmensform sich für welchen Personenkreis am besten für eine Zusammenarbeit bzw. Gründung eignet.

Die Thematik ist in einer Blog-Serie angelegt und beinhaltet folgende Unterteilungen:

Mögliche relevante Kooperations- oder Unternehmensformen für eine Gruppe von Filmemachern:

1. Der Rahmenvertrag

2. Die GbR

3. Die UG

4. Die GmbH

Mögliche relevante Unternehmensformen für Einzelkämpfer:

1. Einzelunternehmer

2. UG & GmbH

 

Der Rahmenvertrag

Auch das freundschaftlichste Verhältnis zwischen zwei oder mehreren Filmemachern braucht einen rechtlich verbindlichen, auf Papier geschriebenen Rahmen, der für alle Beteiligten faire Rechte und Pflichten definiert. Sich nur auf mündliche Absprachen zu stützen, wäre ein grober Fehler. Viele Kooperationen und Unternehmen unterschiedlicher Branchen wurden, vor allem in der Anfangsphase, so schon zum Scheitern gebracht.

Daher meine wichtigste Empfehlung: Sobald eure Zusammenarbeit das Hobby verlässt und sich mit zahlenden Kunden professionalisiert, muss ein sichtbarer Vertrag geschlossen bzw. offiziell ein Unternehmen gegründet werden.

Doch welche rechtlichen Möglichkeiten stehen uns in Deutschland zur Verfügung, wenn es um die Gründung einer wirtschaftlichen Kooperation im Filmbereich geht? Welche Art der Kooperation oder Unternehmensform macht für wen wirklich Sinn? Ich möchte euch nachfolgend die erste Möglichkeit vorstellen: Der Rahmenvertrag.

Ihr seid eine Gruppe von Filmemachern, ihr arbeitet auch gerne regelmäßig zusammen. Doch ihr wollt euch nicht zu sehr binden und die Freiheiten des Einzelkämpfers und Freelancers weiterhin genießen. Wenn ihr euch hierbei angesprochen fühlt, empfiehlt sich ein Rahmenvertrag.

Bei einem Rahmenvertrag handelt es sich um kein typisches Unternehmen oder gar eine Gesellschaft. Es ist vielmehr eine Kooperation. Konkrete, gesetzliche Regelungen zu Rahmenverträgen gibt es nicht. Der Rahmenvertrag entnimmt seine Legitimation aus dem zivilrechtlichen Grundsatz der Vertragsfreiheit (Privatautonomie), abgeleitet aus Art. 2 Abs. 1 GG (allg. Handlungsfreiheit). Es handelt sich um ein rechtlich verbindliches Schuldverhältnis, § 311 Abs. 1 BGB.

Ein Rahmenvertrag wird zwischen zwei oder mehr Personen geschlossen, um eine Zusammenarbeit zu konkretisieren. Ihr könnt euch hiermit explizit gegen die Gründung einer rechtlichen Gesellschaft aussprechen, weil jeder für sich ein freier Einzelunternehmer sein will. Allerdings könnt ihr euch gegenseitig gewisse Rechte und Pflichten auferlegen, die ihr völlig individuell vereinbaren dürft.

Beispiel: Ein Producer, ein Regisseur und ein Kameramann wollen als Freelancer auf dem Markt agieren. Allerdings hat sich aus einigen Projekten ergeben, dass vor allem die Zusammenarbeit dieser drei Personen besonders gute Ergebnisse bringt. Der Producer profitiert von erstklassigen Filmen. Regisseur und Kameramann profitieren von guten Aufträgen und Gagen. Ein Rahmenvertrag kann diese Zusammenarbeit nun festigen und näher definieren. Beispielsweise verpflichtet sich der Producer dazu, mindestens drei Projekte im Jahr mit dem Regisseur und dem Kameramann zu verwirklichen. Auf der Gegenseite verpflichten sich Regisseur und Kameramann dazu, dass der Producer stets Vorrang genießt, wenn es um die Projektauswahl geht.

Vorteile:

- Ein Rahmenvertrag kann ohne Formvorschriften und völlig individuell geschlossen werden. Das heißt, es ist beispielsweise kein Notar oder die Einhaltung spezieller Rechtsvorschriften nötig, damit der Vertrag wirksam ist. Es gelten nur die allgemeinen Regeln des BGB. Das heißt der Vertrag darf beispielsweise nicht sittenwidrig oder aufgrund von Drohungen geschlossen sein oder gegen Normen des Strafrechts verstoßen. Ansonsten genießt man einen sehr großen, individuellen Gestaltungsspielraum.

- Ein Rahmenvertrag kann unter Mitwirkung aller Beteiligten auch problemlos neugestaltet, näher definiert und wieder gelockert werden.

- Jeder haftet grundsätzlich für seine eigenen persönlichen Fehler und nicht als Gemeinschaft.

- Ein Rahmenvertrag endet so, wie ihr es bestimmt. Entweder mit oder ohne Kündigungsfrist. Entweder nach einem Jahr oder nach zwei Wochen. Das liegt alles ganz bei euch.

- Bei einem Rahmenvertrag müssen keine Ämter aufgesucht, Formulare ausgefüllt oder Gebühren bezahlt werden. Die Parteien regeln alles nur unter sich, mit oder ohne anwaltliche Hilfe. Mit Abschluss des Vertrags ist dieser auch unmittelbar gültig.

- Sofern der Rahmenvertrag dies nicht vorsieht, wird ganz grundsätzlich kein gemeinsames Vermögen erworben, welches nach Beendigung der Zusammenarbeit aufgeteilt werden müsste. Was man aus der Zusammenarbeit erhält, behält man auch nur für sich allein.

Nachteile:

- Für echte Freelancer ergeben sich meiner Meinung nach kaum Nachteile. Man ist einerseits frei für andere Kunden, hat andererseits aber gewisse Sicherheiten mit denen man langfristig kalkulieren kann. Je nachdem wie streng der Vertrag allerdings ausfällt, kann sich jedoch eine Benachteiligung für die ein oder andere Partei ergeben, wenn man schlecht verhandelt hat.

- Es haftet zwar jeder für sich allein, aber dafür unbeschränkt mit seinem eigenen persönlichen Vermögen.

Wie man sieht, ist der Rahmenvertrag eine einfache, günstige und effektive Möglichkeit, um eine Kooperation zu begründen, ohne dabei allzu viele Freiheiten abzugeben. Er empfiehlt sich vor allem für Filmemacher, die sich nicht groß binden aber gerne mit einem engen und vertrauten Personenkreis arbeiten wollen.

Last but not least: Alle oben genannten Ausführungen basieren auf dem rechtlichen Stand ihrer Veröffentlichung. Ich übernehme keine Gewähr oder Haftung für die Richtigkeit aller Aussagen, die ich mit besten Wissen und Gewissen verfasst habe. Es empfiehlt sich außerdem immer einen Anwalt zu konsultieren, wenn es um das Aufsetzen von Verträgen oder eine nähere Beratung geht.

 

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